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22.06.2013 22:00 Alter: 6 yrs
Kategorie: Infobrief Fachberater

Infobrief Juni 2013

Der Wald hat teilweise eingesetzt, allerdings mit bis jetzt eher bescheidenen Ergebnissen. Die ersten Meldungen von Melezitosehonig sind, wie befürchtet, auch schon eingegangen. Auch Eintrag von Blatthonig wird gemeldet (Ahorn).


Bild: Prof. Dr. Pritsch


» Sommerwetter verbessert
Versorgung der Völker
Die ersten Sommertage haben den Rapsvölkern in höheren Lagen noch eine gute Honigernte beschert. Auch die zweite Hälfte der Akazienblüte in den Tallagen konnte zum Teil die Honigräume füllen. Nicht immer reichte es aber zur notwendigen Verdecklung. Jetzt hat die Linden- und die Kastanienblüte begonnen. Auch die Brombeeren blühen in den Tallagen in seltener Dichte und werden zur Tracht beitragen. Der Schwarmtrieb ist endgültig zum Erliegen gekommen. Die Drohnenwaben sollten bei nächster Gelegenheit, am Besten nach Verdeckelung, entnommen werden.
Der Wald hat teilweise eingesetzt, allerdings mit bis jetzt eher bescheidenen Ergebnissen. Die ersten Meldungen von Melezitosehonig sind, wie befürchtet, auch schon eingegangen. Auch Eintrag von Blatthonig wird gemeldet (Ahorn).

» Honigtauerzeuger der Fichte
Die für Melezitose verantwortlichen Honigtauerzeuger wurden schon im zeitigen Frühjahr (Große Schwarze Fichtenrindenlaus) beobachtet. Die Stark Bemehlte Fichtenrindenlaus, die ebenfalls Zementhonig liefern kann, trifft man häufig an. Man findet sie an der Unterseite 1-3 jähriger Zweige in Kolonien bis 5-10 cm. Sie fallen durch ihre schwarze Farbe auf, die durch eine dichte weiße Bemehlung getarnt ist. Ist die Kolonie umgezogen, sieht man noch lange die an Mehltau erinnernde Ansitzstelle.
Die Rotbraune Bepuderte Fichtenrindenlaus findet man im diesjährigen Maitrieb bis dieser verholzt ist. An wenigen Standorten ist sie zahlreich anzutreffen. Eine Chance zum Honigen besteht hier allerdings nur noch in höheren Lagen, wenn das tropischheiße Wetter nicht zu rasch zurückkehrt und größere Unwetter ausbleiben. Lecanien sollten jetzt auch in höheren Lagen so langsam zu Honigen beginnen. Die Stockwaagen lassen allerdings vermuten, dass der Besatz nur selten die nötige Dichte erreicht. In unteren Lagen ist ihre Entwicklung eher abgeschlossen.

» Honigtauerzeuger der Tanne
An der Tanne findet man häufig die Tannentrieblaus. Sie produziert Honigtau, den die Bienen offensichtlich nicht mögen, denn er wird nicht angeflogen. Die Honigtautropfen veranlassen ahnungslose Imker oft zu Fehlwanderungen. Der Honigtau wird in den diesjährigen Maitrieben produziert, sieht feinversprüht aus und ist oft auch perlenartig in Wachswolle gehüllt. Diese türkisfarbigen, wolligen Forstschädlinge können in den klebrigen Maitrieben gar nicht übersehen werden.
Die Grüne Tannenhoniglaus sitzt einzeln an den 1-3-jährigen Zweigen. Ihre Honigtauspritzer sind kreisrund und glänzend. Die Klopfergebnisse liegen bei 9-20 Tiere je m² Zweigfläche. Die Stammmütter waren in der 24. Woche z.T. erst halb ausgewachsen. Das könnte örtlich für eine Tracht ab Mitte Juli ausreichen, wird aber stark vom weiteren Witterungsverlauf und der Vermehrungfreudigkeit der Honigtauerzeuger abhängen. Die Große Braunschwarze Tannenrindenlaus fand sich während ihres Standortwechsels vor 2-3 Wochen häufig in den Klopftüchern (bis zu 20). Sie hat 1995 alleine den Tannenhonig geliefert und ist dieses Jahr offenbar in größerer Zahl vorhanden. Ihr Honigtau, meist in Stammnähe, macht große Tropfen, die sternförmig auseinanderspritzen und oft matt auftrocknen (geringer Zuckergehalt). Bei entsprechendem Witterungsverlauf und Vemehrungsverhalten gibt auch dieser Honigtauerzeuger noch zu Hoffnungen Anlass. Die seit 2008 häufig beobachtete Mattschwarze Tannenrindenlaus (Coloradolaus) wurde bisher nur an jungen Tannen und eher selten gesehen.
Weitere Infos zu den einzelnen Honigtauerzeugern unter www.Stockwaage.de

» Ableger unbedingt füttern
Das nun endlich schönere Wetter darf nicht darüber hinwegtäuchen, dass die Zunahmen oft bescheiden sind. Vor allem kleine Völkchen wie Ableger, haben es schwer, an genügend Nektar oder Honigtau zu gelangen. Trockene Winde, besonders aus dem Osten, lassen Nektarien und Honigtau allzuschnell eintrocknen, was die Sammelstunden auf frühmorgens und spätabends beschränkt. Angenehmes Wohlfühlwetter ist kein Honigwetter! Deshalb ist auch nicht jeder Sonnentag ein Trachttag. Die Ableger müssen kontinuierlich gefüttert werden. Wenn sie Mittelwände bauen müssen, flüssig; wenn sie mit Waben erweitert werden, geht auch Futterteig. Kleine flüssige Portionen (1/2 Liter Zuckerwasser 1:1 alle 2-3 Tage) sind aber immer wirkungsvoller als festes Futter. Nur wenn die Brutnester zu verhonigen beginnen, die Fütterung vorübergehend einstellen. Auch die Wirtschaftsvölker sollten genau beobachtet werden. Trachtlosigkeit führt zum raschen Einbruch der Brutnester. Nur wer seine Völker gut pflegt, hat auch noch genügend Bienen, um eine spätere Tracht zu nutzen.

Mit freundlichen Grüßen
Armin Spürgin
Fachberater für Imkerei

Regierungspräsidium Freiburg
Abteilung Landwirtschaft, Ländlicher Raum
Veterinär- und Lebensmittelwesen
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