< Infobrief März 2014
22.04.2014 22:00 Alter: 5 yrs
Kategorie: Infobrief Fachberater

Infobrief April 2014

Die Völker hatten einige schöne Trachttage und die Futterversorgung dürfte vorerst kein Problem sein.


Aber der trockene Nord–Nordwest hat dafür gesorgt, dass sich die Nektarmengen in Grenzen hielten und die Wasserquellen für die Bienen teilweise versiegt sind. Vorerst bleibt es erst einmal kühler und es ist eher mit Gewichtsabnahmen zu rechnen. Jetzt haben die Bienen Zeit, den in den unteren Räumen angestauten Honig nach oben umzustapeln und der Königin Platz zu schaffen. Gleichzeitig wird die Trachtpause den Schwarmtrieb so richtig anfachen.

» Bienenpflege

Momentaner phänologischer Stand: Abgehende Apfelblüte, Roßkastanie.
Wetteraussichten: Kühl. Die langfristigen Wetterberichte kündigen seit Wochen Regen an, aber er kommt nicht. Wo es Niederschläge geben wird, können sie bis auf 500 Meter als Schnee niedergehen.

Die Erweiterungsmagazine sind je nach Volksstärke und Trachtverlauf mehr oder weniger stark angenommen. Die Kälte hat dazu geführt, dass die Bienen enger zusammenrücken und ausgebaute Mittelwände (MW) plötzlich nicht mehr besiedeln. Dennoch darf man ggf. mit der Erweiterung nicht zögern, da bei Temperaturanstieg der Raum sehr schnell auch wieder zu eng werden kann. Sind alle Waben des oberen Raumes mit Bienen besetzt und die MW zumindest ausgezogen, kann die nächste Einheit gegeben werden.
Zuvor ist aber auf jeden Fall eine Schwarmkontrolle durchzuführen. Auch bei kaltem Wetter! Hier macht sich der geteilte Brutraum des Zandermaßes (auch Langstroth oder DN) positiv bemerkbar. Es genügt die Magazine zu kippen und die Wabengassen sowohl von unten als auch von oben auf Schwarmnäpfchen zu kontrollieren. Viele Imker zweifeln die Sicherheit dieser Methode an. Die Erfahrung von Jahrzehnten hat aber gezeigt, dass die Fehlerquote doch sehr gering ist. Hat man einmal ein Näpfchen übersehen, kommt man ja nächste Woche immer noch zu recht. Die Zelle ist nun verdeckelt, noch nicht geschlüpft aber sicher nicht mehr zu übersehen, zumal weitere Näpfchen und Zellen neu gebaut und bestiftet wurden. Die größte Fehlerquote entsteht durch unsauberen Wabenbau. Eine Brutwabe mit einem Loch bietet z.B. nicht nur Platz für Drohnenbau, sondern auch versteckte Nischen für Schwarmzellen. Meist sind die ältesten Schwarmzellen aber zwischen dem ersten und zweiten Magazin zwischen den Wabenrändern der 2. und den Oberträgern der ersten Zarge. Hier gibt es genügend Balkone zum Befestigen der Näpfchen. Zu einer sicheren Schwarmkontrolle gehört also auch immer ein sauberer Wabenbau. Die Frühjahrsentwicklung bietet gute Gelegenheit fehlerhaftem Wabenbau zu Ersetzen und zu Erneuern.
Erst wenn ein bestiftetes Schwarmnäpfchen gefunden wird, beginnt die Arbeit mit Schwarmverhinderungsmaßnahmen.

» Früher Schwarmtrieb bewältigen
Wenn einzelne Völker Schwarmneigung zeigen, wird man sich vielleicht erst einmal mit dem Ausbrechen der Zellen begnügen. Das schafft zunächst Zeit für eine Woche. Spätestens bei der nächsten Schwarmkontrolle sollte aber neben dem Zellenbrechen die Entnahme eines kräftigen Ablegers eingeplant werden. Haben sich die Völker in der 3. Woche immer noch nicht beruhigt, kommen die klassischen Schwarmverhinderungsmethoden, Königinnen-Zwischenableger oder Flugling zum Zuge.

Aber schon bei einer der frühen Kontrollen, kann man schon ohne Risiko eine Fluglingvariante einsetzen. Das untere Magazin des auseinandergenommenen, schwarmträchtigen Volkes stellt man an den Platz eines schwächeren Volkes. Das schwächere Volk kommt auf den Platz des schwarmtriebigen. Am neuen Platz schaut man das schwarmlustige gründlich nach Zellen durch, die man alle entfernt. Das starke Volk verliert die Flugbienen an das schwächere. Unabhängig vom Schwarmtrieb lässt sich diese Methode auch einfach zum Ausgleichen der Volkstärke praktizieren, es muss nur gutes Flugwetter herrschen. Am besten am späten Vor- bis zum frühen Nachmittag.

» Maikrankheit
Das kalte Wetter und die extreme Trockenheit haben dazu geführt, dass die Bienen an manchen Standorten Wassernot leiden. Das führt bei Bienen, die Pollen verdauen, zu Stoffwechselstörungen, die man vereinfacht als „Verstopfung“ beschreiben kann – die sogenannte Maikrankheit. Im Boden und vor dem Flugloch finden sich flugunfähige Bienen zu Gruppen zusammen und verenden dort. Das träge Verhalten und Krümmen der Bienen könnte man bei oberflächlicher Beobachtung für Gifteinwirkung halten. Schaut man sich die Bienen aber einmal näher an, fällt ihr etwas aufgedunsener Hinterleib auf. Biegt man ihn etwas durch, scheint zwischen den Segmenten der ockerfarbige, feste Pollenteig durch. Diese Bienen sind nicht mehr zu retten. Durch Zufütterung einer wasserhaltigen Futterlösung (in Erwartung von Frühjahrshonig ausschließlich Honigwasser), kann der Wasserhaushalt im Volk wieder aufgebessert und der Maikrankheit weiter vorgebeugt werden. Sollte es einmal ausgiebig regnen und die Bienen Gelegenheit zum Wasserholen bekommen, dürfte das Problem wieder behoben sein.

» Varroa
Die Befürchtungen 2014 könnte ein Varroajahr werden, verstärken sich. Es wurden die ersten verkrüppelten Drohnen und Bienen gesichtet und zufällig eingeschobene Gemülleinlagen zeigten dramatische Ergebnisse. Deshalb sei hier noch einmal auf eine akribische Drohnenbrutentnahme verwiesen. Es ist zu empfehlen, nach einer Woche einen zweiten Drohnenrahmen einzuhängen und beide abwechselnd im 2-Wochen-Rhythmus auszuschneiden. So steht den Milben immer genügend Brut offen. Bei Verwendung der „Schälwabenmethode“ hängt man die zweite Wabe zwei Wochen nach der ersten ein (siehe Schulungsmappe „Grundwissen für Imker“ 03-04-01 und 10-02-02). Die Waben werden nach genau 3 Wochen entnommen, am Bienenstand mit einem scharfen Messer tief entdeckelt und ausgeklopft. Dabei sind die Milben sehr gut auf der Drohnenbrut zu sehen und der Befallsgrad kann grob abgeschätzt werden. Die dafür erforderlichen Rähmchen und Drohnenmittelwände werden im gut sortierten Fachhandel angeboten.

Es ist zu empfehlen schon bald einmal eine Gemüllkontrolle mit einer Ölwindel (2-3 Tage Einlegezeit) oder eine Puderzuckerdiagnose durchzuführen. Dabei fallen stark befallene sofort Völker auf. Es handelt sich meist nur um Einzelvölker, die vielleicht bei der Winterbehandlung nicht ausreichend brutfrei waren. Sie sind nicht nur gefährdet, sondern streuen die Milben auf schwach befallene Nachbarvölker. Es empfiehlt sich also diese einer Spezialbehandlung zu unterziehen. Eine Empfehlung wäre z.B., sie zu Ableger aufzuteilen, so rasch wie möglich an einen anderen Standort zu verbringen und nach 3 Wochen (Brutfreiheit) einer Sprühbehandlung mit Milchsäure 15% ad us.vet. zu unterziehen.

Anmerkung zur Gemüll- und Puderzuckerdiagnose: So lange die Brutnester noch wachsen, fallen bei gleichem Befallsgrad tendenziell weniger Milben als im Juli. Es dürfen jetzt also täglich nur einzelne Milben fallen.



Mit freundlichen Grüßen 

Armin Spürgin
Fachberater für Imkerei

Regierungspräsidium Freiburg
Abteilung Landwirtschaft, Ländlicher Raum
Veterinär- und Lebensmittelwesen
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