< Infobrief September 2014
11.10.2014 22:00 Alter: 5 yrs
Kategorie: Infobrief Fachberater

Infobrief Oktober 2014

Hier blühen: Herbst-Gartenflor, Acker-Zwischenfrüchte (Senf Ölrettich, etc.). Wetteraussichten: Übergang von spätsommerlichem zu wechselhaftem Herbstwetter.


Bienenpflege

Die Völker sollten jetzt gut aufgefüttert auf den Winter vorbereitet sein. Leider hört man immer wieder von vernachlässigten Völkern, die noch nicht eingefüttert sind, ja sogar unter Futternot leiden. Das entspricht nicht der guten fachlichen Praxis und ist im höchsten Maß verantwortungslos. Es lässt sich leicht ausmalen, wie es an solchen Ständen mit der Varroa-

bekämpfung aussieht.


Varroabekämpfung


Die vielfach ungünstigen Wetterverhältnisse hatten oft eine unkalkulierbare Wirkung der Ameisensäure zur Folge. Nur im September ging es etwas besser. Deshalb ist zur abschließenden Kontrolle des Behandlungserfolges unbedingt eine 3-tägige Gemülldiagnose durchzuführen (alternativ Puderzucker-

diagnose). Der tägliche Milbenfall (mind. 2 Wochen nach der letzten Ameisensäureverdunstung) sollte unter einer Milbe liegen (pderzucker: < 1 Milbe je Probe). Sind die Werte leicht darüber und die Witterung lässt keine Ameisensäurebehandlung mehr zu, sollte die Winterbehandlung zum frühestmöglichen Zeitpunkt angestrebt werden. An manchen Standorten sind die Völker offenbar schon nahezu brutfrei.


Räuberei - oft Folge der Beutenkonstruktion


Jetzt beginnt wieder die Zeit der Räuberei. Die Natur bietet nicht mehr viel, aber das Flugwetter hält die Bienen weiterhin auf trapp. Schwächere Völker stellen den Flug früher ein und ziehen sich zur wärmenden Kugel zusammen. Dabei können sie den Kontakt zum Flugloch verlieren und sind somit nicht mehr in der Lage, dieses zu bewachen. Ist die Beute auch noch mit einem hohen Boden ausgestattet, vergrößert sich der Abstand zum Flugloch noch zusätzlich. Da hilft es dann auch nicht mehr, die Fluglöcher kleiner zu machen. Suchende Bienen stärkerer Völker und die noch viel aktiveren Wespen können ungehindert das Flugloch passieren und an der Kastenrückwand an den bienenfreien Teil des Winterfutters gelangen. Man muss also dafür sorgen, dass sich der Bienensitz unmittelbar am Flugloch befindet. Das heißt zunächst: Keine Schwächlinge einwintern! Wo möglich Querbau auf Längsbau umstellen. Hohe Böden sägt man auf der Kreissäge auf max. 4 cm Innenhöhe herunter. Eine Möglichkeit wäre auch, in den hohen Boden einen Zwischenboden aus dünnem Sperrholz einzulegen und den Fluglochkeil um 180° vertikal zu drehen (Flugloch oben). Der Unsinn mit den hohen Böden kam vor ca. 40 Jahren auf, weil man bequem im Boden füttern wollte. Heute hat kaum noch jemand ein Futtergeschirr hinterm Flugloch, aber die hohen Böden sind vielfach geblieben. Das ist reine Materialverschwendung und eine Einladung für räubernde Wespen und Bienen.

 

Kleiner Beutenkäfer in Italien

Schon seit einigen Jahren ist der Kleine Beutenkäfer in unserer Bienenseuchen-Gesetzgebung verankert. Dies geschah vorsorglich, da dieser Bienenschädling bisher noch nicht aufgetreten ist. Ein Verdachtsfall vor einigen Jahren in Portugal wurde offenbar erfolgreich getilgt. Nun ist der Kleine Beutenkäfer in Kalabrien/Italien mehrfach nachgewiesen worden. Sein Weg nach Deutschland ist wohl absehbar und nicht mehr aufzuhalten. Dabei kann jeder einzelne Imker dazu beitragen, dass es gar nicht so weit kommt. Das geht ganz einfach: Finger weg von Bienenkauf in fernen Ländern! (Königinnen, Kunstschwärme/Paketbienen, Ableger, Völker). www.diebiene.de/kleiner-beutenkaefer-aktuelle-italien

Wie in diesem Internetbeitrag von Dr. Ritter, CVUA Freiburg zu entnehmen ist, wird der Kleine Beutenkäfer die Honigbienen nicht ausrotten. Er wird uns aber bei allen bereits bestehenden Erschwernissen der Bienenhaltung (Varroa, Viren, etc.) das Imkern nicht einfacher machen. Informationen für Imker zum Kleinen Beutenkäfer finden Sie hier: http://www.fli.bund.de/no_cache/de/startseite/institute/institut-fuer- infektionsmedizin/referenzlabore/nrl-fuer-bienenkrankheiten.html (rechte Spalte)

 

Asiatische Hornisse in Baden-Württemberg
- Franösischer Imkertag in Colmar
Dieses Jahr sind mir mehrere Fotos zugeschickt worden, die die Asiatische Hornisse Vespa velutina nigrithorax zeigen sollten. In allen Fällen konnte Entwarnung gegeben werden, denn es handelte sich immer um unsere Europäische Hornisse Vespa crabro. Dass die Befürchtungen berechtigt waren, zeigt die Meldung in den Bienenzeitungen über den ersten fotografischen Nachweis der Asiatischen Hornisse im Raum Karlsruhe. Ein Informationsblatt zur Wespenart-Identifizierung finden Sie über obigen Link des Friedrich-Loeffler-Instituts (Rechte Spalte). Nach Abwurf des Laubes sind die großen, frei gebauten Nester gut auszumachen. Wer im Laufe des Herbstes und Winters eines entdeckt, möchte dies bitte dem zuständigen Fachberater melden.
Nach Expertenmeinung ist die Gefährdung für unsere heimische Hornisse größer einzuschätzen, als für die Bienen. Wie die französischen Imker diese Hornisse einschätzen (dort lebt sie schon länger), ist sicher beim Französischen Imkertag zu vernehmen, der dieses Wochenende (10.-12. Oktober 2014) im Parc des Exposition von Colmar stattfindet (Ausflugstipp!)

Bienenapp


Für alles gibt es eine App. Als Smartphone-Abstinenzler lebe ich da im Tal der Ahnungslosen. Dennoch möchte ich allen Smartphone-Enthusiasten über die neue Bienen- App des BMEL in Kenntnis setzen. In der Internet-Ankündigung heißt es dazu: „Die App für Smartphones verfügt über ein Lexikon mit mehr als 100 bienenfreundlichen Pflanzen, in dem über verschiedene Merkmale wie Blütenfarbe, Blühzeit oder den besten Standort der Pflanzen informiert wird. Die App bietet außerdem viel Hintergrundwissen über Honigbienen, Wildbienen oder Wespen sowie ihre Gewohnheiten. In einem Bienenquiz kann dann auch das eigene Wissen getestet werden.“ http://www.bmel.de/DE/Tier/3_Nutztierhaltung/Bienen/_texte/BienenApp.html

 

Mit freundlichen Grüßen
Armin Spürgin
Fachberater für Imkerei

Regierungspräsidium Freiburg
Abteilung Landwirtschaft, Ländlicher Raum,

Veterinär- und Lebensmittelwesen

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